Rhythmus

Rhythmus ist das Zaubermittel aller pädagogischen Kunst an unserer Schule. Damit ist nicht nur die große Wertschätzung gemeint, die hier allen musischen Betätigungen wie Singen, Instrumentalmusik, Sprechchor und dem rhythmischen Bewegen der Glieder geschenkt wird. Nein, der ganze Unterricht, der Tageslauf und selbst der Plan des ganzen Jahres werden von den Pädagog:innen möglichst kunstvoll »rhythmisiert« im Abwechseln der Tätigkeiten, der Fächer, der Stimmungen. Sie streben damit an, dass das Schulleben insgesamt für die Kinder etwas innerlich Bewegtes, Lebendiges, Schwingendes erhält. {weiterlesen}

Der Rhythmus ist die harmonische Verbindung von Gegensätzen, von Polaritäten. Alles hat seine Zeit und wird abgelöst von Anderem, Polarem, um schließlich nach bestimmter Abwesenheit wiederzukehren: erst fröhliche, kraftvolle Bewegung mit den Gliedern, um den Leib zu ergreifen, dann stille, konzentrierte Gedankenarbeit mit dem Kopf; oder das ruhige Schaffen mit den Händen in Handarbeit oder Malen geht über in lebhaftes Gespräch oder fantasievolles Erzählen; dem stillen Lauschen einer Geschichte folgt Humorvolles mit ausgelassenem Lachen; lustiges Spielen und ehrfürchtiger, andächtiger Ernst erfüllen nacheinander die Seelen.

Der geschickte, wohlbedachte Wechsel ist entscheidend. Stets sind die Pädagog:innen darauf bedacht, kunstvoll die Fülle der Themen und Tätigkeiten in eine solche Folge zu bringen, dass sich ein Atmen, ein Pulsieren, ein innerlich beschwingtes, »tanzendes« Bewegen ergibt. Das bleibt gewiss oft noch ein Ideal, das jeweils mehr oder weniger unvollkommen verwirklicht wird! Aber schon das aufrichtige Bemühen um lebendige Rhythmisierung des Schullebens zeigt erkennbar stärkende, ordnende und belebende Wirkung bei den Kindern, die dann freudiger und mit leuchtenden Augen gerne in ihre Schule kommen.

Ruth Wittchow